Soziale Skulptur im vorarlberg museum

Die Künstlerin Ines Agostinelli hat für das vorarlberg museum mit über sechshundert Einheimischen und Flüchtlingen, Erwachsenen und Kindern eine Soziale Skulptur geschaffen, die sich mit dem Thema Flucht auseinandersetzt. Workshops in ganz Vorarlberg ermöglichten nachhaltige Begegnungen und Gespräche sowie das Knüpfen neuer Kontakte. Gemeinschaftlich wurden dabei hunderte Modelle von Heißluftballons aus Zeitungspapier unterschiedlichster Herkunftsländer gefertigt. Diese werden nun in einer raumgreifenden Installation präsentiert, die in dem fast 25 Meter hohen Atrium des vorarlberg museums einen überwältigenden Raumeindruck bietet.

Die Modelle verweben die Geschichten und Reflexionen ihrer Schöpfer und die Räume ihrer Entstehung – Räume für Begegnung und Austausch, Auseinandersetzung und Gespräch mit Menschen jeglichen Alters, jeglicher Herkunft und Kultur.

Das Programm der Eröffnung spiegelt einen Auszug aus den stattgefunden Begegnungen und stellt einige der Menschen vor, die an der Sozialen Skulptur mitgewirkt haben: In einem Podiumsgespräch mit interessanten Gästen, in einer Tanzperformance des syrischen Schauspielers Ayman Jndi sowie der Performance einer Gruppe Kinder und Jugendlicher „von hier und dort“, die sich mit Helene und Franz Rüdisser auf spielerische Weise mit Exklusion und Inklusion beschäftigt.

Vertiefend zum Thema findet am 19. März 2017 ein ganztägige Symposium statt: „Wer wollen wir sein? Flucht, Perspektiven und Utopien“.

Thementag

WER WOLLEN WIR SEIN?
Flucht, Perspektiven und Utopien

Am 19.03. ab 10.30 Uhr findet der Thementag WER WOLLEN WIR SEIN? Flucht, Perspektiven und Utopien statt. Das hochkarätig und international besetzte Symposium beleuchtet in Vorträgen und Gesprächen ineinandergreifende Perspektiven auf Flucht und Migration. Politik- und Staatswissenschaftler, Volkswirtschaftler, Kultur- und Literaturwissenschaftler kommen nach Bregenz. Vertreter aus Schulen oder dem Sozialbereich berichten über ihre institutionellen wie persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Flucht. Abgerundet wird das Programm durch performative Beiträge der Pianistin Timea Djerdj sowie Ulrich Gabriels integrative Initiative „Kontaktchor“, der mit einem Konzert den Ausklang des Symposiums gestaltet. Das Symposium ist Teil der Ausstellung „Soziale Skulptur“ von Ines Agostinelli

Workshops für Schulklassen

Wer wollen wir sein? Flucht und ihre mediale Repräsentation

Flucht, im Sinne von erzwungener Migration, polarisiert. Auf politischer Ebene führt dies zum Erstarken populistischer Stimmen, differenziertere Standpunkte geraten ins Abseits. In Diskussions-Workshops reflektiert die Künstlerin Ines Agostinelli mit den Schülern, wie Flucht in der Öffentlichkeit und in den Medien verhandelt wird. Zentral sind Fragen nach Meinungsbildung, Diskussionskultur und Kommunikation – die Schülerinnen und Schüler arbeiten diskutierend ihre eigene Meinung heraus.

 

mit Voranmeldung zu folgenden Terminen:

Di, 7. Februar, 10.00 Uhr und 13.00 Uhr
Fr, 10. Februar, 10.00 Uhr und 12.00 Uhr
Di, 7. März, 10.00 Uhr und 13.00 Uhr
Fr, 10. März, 10.00 Uhr und 12.00 Uhr
Di, 21. März, 10.00 Uhr und 13.00 Uhr
Fr, 24. März, 10.00 Uhr und 12.00 Uhr

 

Weitere Termine nach Vereinbarung möglich.


Dauer: 2 Stunden; 4 Euro pro Person; Anmeldung unter +43 (0)5574 46050522 bzw. kulturvermittlung@vorarlbergmuseum.at

FLUCHT

Menschen fliehen vor bedrohlichen Situationen. Diese finden sich in der Biographie jedes Menschen, ganz gleich welchen Alters, welcher Nationalität, welchen Standes oder welcher Kultur. Manche ziehen sich dafür zurück in ihr Inneres, flüchten sich in Arbeit oder Sport, in virtuelle Räume und Medien, Konsum, Sucht oder individuelle Fantasiewelten. Manche müssen dafür, wie unsere Vorfahren im Lauf der Jahrhunderte, aufgrund gewaltsamer Konflikte und wirtschaftlicher Not ihr Land verlassen und anderswo Zuflucht suchen.

Am Thema Flucht präsentiert sich ein breites Spektrum der Welt, in der wir leben und die, angesichts all der geopolitischen Vernetzungen, kaum mehr zu durchschauen ist. Es konfrontiert uns mit unserer Geschichte, unserer Herkunft bis zurück zu den archaischen Anfängen. Es konfrontiert uns mit unserer Zukunft und der Frage, was geschieht, wenn die globale Verteilungsgerechtigkeit weiter abnimmt und Kriegs-, Wirtschafts- und Klimaflucht weiter zunehmen. Und es konfrontiert uns mit unserer Gegenwart: wie wollen wir leben, welche Haltung wollen wir einnehmen, wer wollen wir sein, als Individuum, wie als Gesellschaft – Fragen, die in der öffentlichen Debatte über Flüchtingsquoten und Grenzschutz leicht aus den Augen verloren werden.

 

SOZIALE SKULPTUR

Die Künstlerin Ines Agostinelli hat für das vorarlberg museum eine Soziale Skulptur realisiert, die auf Auseinandersetzungen mit dem Thema Flucht in all seinen Aspekten beruht. Gemeinschaftlich geschaffen besteht die Soziale Skulptur ebenso aus den Prozessen ihrer Entstehung wie aus deren Ergebnis. Alle waren eingeladen mitzuwirken und Teil des Ganzen zu werden: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Einheimische und Flüchtlinge.


Gemeinsam wurden im Rahmen begleiteter Workshops hunderte Modelle von Heißluftballons aus Papiermaché gefertigt, das aus Zeitungspapier unterschiedlichster Länder besteht. Gleich einer schwebenden Wolke sind die Ballons im Atrium des vorarlberg museums von 12. Dezember 2016 bis 26. März 2017 installiert. Die Heißluftballons stehen dabei als Symbol für ein Abheben und Ausbrechen, für ein Aufbrechen in das Neue und Unbekannte eines den Elementen überantworteten Ziels.

 

SCHULEN

Auch für Kinder und Jugendliche ist das Thema Flucht präsent. Wenn nicht durch persönliche Erfahrungen oder neue, nach Vorarlberg geflüchtete KlassenkameradInnen, so ist die Debatte doch allgegenwärtig. Umso wertvoller ist es, dieser, zum Teil diffusen Wolke aus eigenen Erlebnissen, Vorbehalten der Erwachsenen und Bruchstücken medialer Berichterstattung greifbare und altersgerechte Bezüge hinzuzufügen.
Workshops, die von Ines Agostinelli auf Wunsch einer Schule für eine Klasse abgehalten wurden,  fanden im jeweiligen Klassen- oder Werkraum statt. Nach einer individuellen Einführung zu den unterschiedlichen Aspekten der Flucht erfolgte die Papiermaché-Arbeit.
Dazu wurden Luftballons mit Zeitungspapier und Kleister Schicht für Schicht bearbeitet, bis sie stabil genug sind, um die Form in getrocknetem Zustand dauerhaft beizubehalten. Die Ballons blieben zum Trocknen in der Schule. Danach wurden sie abgeholt und bis zur Präsentation, zu der selbstverständlich alle herzlich eingeladen sind, mit Schnüren, Körben und einer Lackierung vervollständigt.