Sammeln heute

170 Jahre Sammelleidenschaft:
Verstehen, wer wir sind

Verstehen, wer wir sind steht in großen Buchstaben auf der seeseitigen Fassade unseres Hauses. Was hat denn dieses Verstehen, wer wir sind eigentlich mit einer Sammlung, mit unserer musealen Sammlung zu tun? Für mich ist das Verstehen, ein wichtiger Schlüssel, um die Verbindung zwischen Objekten und Menschen herzustellen. 

Wir sammeln Objekte aus ganz unterschiedlichen Materialien mit unterschiedlichsten Herstellungstechniken, die auch in verschiedensten Situationen, alltäglichen oder besonderen Situationen, verwendet wurden. Wir brauchen dabei unsere Hände, unsere Beine. Wir brauchen unseren Körper, um diese Objekte herzustellen. Man kann eigentlich sagen, die Objekte, unsere Sammlungsobjekte bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Technik, zwischen Material, zwischen Herkunft und dem eigentlichen Menschen.

Wie können jetzt diese Objekte an dieser Stelle, an der sie stehen, uns helfen, etwas besser zu verstehen? Die Objekte geben Zeugnisse, besonders wenn wir sie ein bisschen intensiver anschauen, wenn wir sie beforschen, wenn wir uns mit ihnen beschäftigen, über Lebensumstände von gestern und von heute. Sie können ein soziales Gefüge besser beschreiben. Wir verstehen, wie Männer, Frauen, Kinder damit gearbeitet haben, in welche Rolle sie geschlüpft sind. Wir können so etwas über die Vergangenheit erfahren, dass wir auch vielleicht für die Zukunft mitnehmen können. Die Objekte, im Zusammenhang mit dem Menschen gesehen, geben also auch einen guten Einblick in die damalige Zeit, in die Kulturgeschichte. Sie betten uns auch in die Religionsgeschichte, in verschiedene Praktiken des Alltags und des festlichen Lebens ein. 

Die Objekte haben eine Besonderheit, weil sie ein wunderbares Zeugnis sind, wie nachhaltig die Menschen früher damit umgegangen sind. Wir finden also einige Alltagsgegenstände, ganz einfache Siebe zum Beispiel, die mit Stoffflecken geflickt wurden, repariert wurden, damit man dieses Sieb einfach noch weiterverwenden kann. Heutzutage würde man so ein Küchengerät einfach wegwerfen. Wir lernen beim Betrachten der Objekte, dass man sehr wohl etwas reparieren, wiederherstellen, nachbauen kann. Und diese Nachhaltigkeit, diese Liebe zur Nachhaltigkeit und zu den Objekten sollten wir eigentlich mit in den heutigen Alltag hineinnehmen. 

Die Sammlung, die wir hier im Schaudepot um uns herum aufgebaut sehen, die ja alphabetisch angeordnet ist, ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt der riesigen Sammlung, die wir in verschiedenen Depots rund um Bregenz beherbergen und bewahren. Das Museum hat rund 180.000 verschiedene Objekte, und da sind die einzelnen archäologischen Scherbchen gar nicht mitgezählt. Und das ist natürlich ein riesiger Verwaltungs- und organisatorischer Aufwand, aber auch eine Aufgabe, die Objekte bestmöglich, nach bestem Wissen und Gewissen, und aktuellem Forschungsstand zu lagern, zu bewahren und für die Zukunft vorzubereiten.

(Theresia Anwander, Kuratorin Europäische Ethnologie)

Collecting today

170 years of passion for collecting:
Understanding who we are

Understanding who we are is written in large letters on the lake-facing façade of our building. But what does this understanding of who we are actually have to do with a collection, with our museum collection? For me, understanding is an important key to establishing a connection between objects and people. 

We collect objects made of very different materials using a wide variety of manufacturing techniques, which have also been used in a wide variety of situations, both everyday and special.We need our hands and our legs. We use our bodies to make these objects. You could say that the objects in our collection exist at the intersection between technology, materials, origin, and humanity itself. 

How can these objects, in the place where they stand, help us to understand something better? The objects bear witness, especially when we look at them a little more closely, when we examine them, when we engage with them, to the living conditions of yesterday and today.

They provide a better description of the social structure. We understand how men, women, and children worked with them and what roles they assumed. We can learn things about the past that we can perhaps carry forward into the future. When viewed in relation to people, these objects also provide valuable insight into the cultural history of that era.They also embed us in religious history, in various practices of everyday and festive life. 

The objects are special because they are actually a wonderful testimony to how sustainably people used to treat them. So we find some everyday objects, very simple sieves for example, which have been patched with pieces of fabric, repaired so that the sieve can simply be used again. Nowadays, people would simply throw away a kitchen appliance like this. So, by looking at these objects, we learn that it is indeed possible to repair, restore, and rebuild things. And we should actually incorporate this sustainability, this love of sustainability and of objects, into our everyday lives today. 

The collection we see around us here in the depot, which is arranged alphabetically, is of course only a small part of the huge collection that we house and preserve in various depots around Bregenz.The museum has around 180,000 different objects, not counting the individual archaeological shards. And that is, of course, a huge administrative and organizational effort, but also a task to store and preserve the objects in the best possible way, to the best of our knowledge and belief, and in line with the current state of research, and to prepare them for the future.

(Theresia Anwander, Curator of European Ethnology)