freitags um 5 - Landesgeschichten
im Gespräch

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Landesgeschichte im Gespräch: Ergänzend zur Ausstellung „vorarlberg. ein making-of“ haben Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, kritische Fragen, Thesen und Sichtweisen zur Landesgeschichte einzubringen und sie mit dem Projektleiter Markus Barnay, den KuratorInnen und geladenen Gästen zu diskutieren. Die Ausstellung wird sich auf Basis dieser Gespräche immer wieder verändern - so wie sich der Blick auf die Vergangenheit immer wieder verändert. Die Ergebnisse von freitags um 5 werden dokumentiert, weiter erforscht und zum Teil fließen sie in die Ausstellung ein.


Leuchttürme oder Inseln?

Aufzeichnung vom Fr, 6. April 2018

Zum Stellenwert der Vorarlberger Architektur

Die Tourismuswerbung spricht vom „Zentrum zeitgenössischer Architektur in Europa“, wenn von den modernen Bauten in Vorarlberg die Rede ist. Kritiker hingegen verweisen auf die Zersiedelung im Rheintal, auf gehortetes Bauland und auf fehlende Dorfzentren. Übersieht der Blick auf die architektonischen Highlights die Masse des konventionellen Wohnbaus oder können die Leuchttürme Vorbild für andere Bauten sein? Wie steht es mit der baukulturellen Entwicklung in Vorarlberg im Vergleich mit anderen Regionen – etwa mit Graubünden?
Köbi Gantenbein, der in Zürich und Fläsch lebende Herausgeber der Zeitschrift für Architektur, Planung, Design und Landschaft „Hochparterre“ und weitum bekannte Architekturkritiker, wird auf seine bekannt pointierte Art Auskunft geben.

Zur Geschichte der muslimischen Minderheit in Vorarlberg

Aufzeichnung vom Fr, 16. Oktober 2020

Rund 13 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung haben einen muslimischen Hintergrund, über 20 Prozent der Volksschulkinder sind Muslime. Gekommen sind die meisten Menschen islamischen Glaubens als Arbeitszuwanderer, ein Teil auch als Geflüchtete. Doch was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Wie sehr unterscheidet sich der Umgang mit dieser religiösen Minderheit vom Verhältnis früherer Generationen zu damaligen Minderheiten?

Eva Grabherr, Gründungsdirektorin des Jüdischen Museums Hohenems, Leiterin der Integrationsstelle „okay. zusammen leben“ und Herausgeberin einer aktuellen „Moschee-Studie“ gibt kompetent darüber Auskunft.

Kleiner Geist statt großer Wurf? 

Aufzeichnung vom Fr, 18. September 2020

Die Vorarlberger Hochschuldebatte in den 1970er Jahren

Die herrschende konservative Elite Vorarlbergs hat aus ideologischer Verbohrtheit die Chance zur Gründung einer eigenen Universität oder wenigstens einer universitären Einrichtung verpasst! – so lautet eine These über die bildungspolitische Debatte in den 1970er Jahren, die in den letzten Jahren immer wieder verbreitet wurde. Doch stimmt das wirklich oder ist es nur ein von bestimmten Kreisen gepflegter Mythos?

Die Historikerin Ingrid Böhler, Leiterin des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck, ist der Sache auf den Grund gegangen und wird berichten, was damals wirklich diskutiert wurde. 

Machtkampf um den Käse

Aufzeichnung vom Fr, 21. Februar 2020

Die Geschichte von ALMA und Rupp

Keine Veranstaltung der Reihe freitags um 5 – Landesgeschichte im Gespräch war derart gut besucht wie die Ausgabe vom 21. Februar dieses Jahres. Es ging um die Geschichte der Firmen ALMA und Rupp, um den Machtkampf um den Käse.

Moderator Markus Barnay (Kurator der Ausstellung vorarlberg. ein making-of) hat Firmenchef Joe Rupp, den langjährigen Prokuristen Wolfgang Alge und den Historiker des vorarlberg museums Peter Melichar zum Gespräch gebeten.

Vertrieben und vergessen?

Aufzeichnung vom Fr, 17. Jänner 2020

„Volksdeutsche“ Flüchtlinge in Vorarlberg

Die sogenannten „Volksdeutschen“ waren eine verhältnismäßig kleine Zuwanderergruppe, die nach dem Kriegsende 1945 in Vorarlberg Zuflucht gefunden hat. Rund 2.000 Sudetendeutsche, Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben wurden zunächst in Flüchtlingslagern, später auch in eigens errichteten Siedlungen untergebracht. Firmen wie Rieger Orgelbau in Schwarzach oder Kunert Strümpfe in Rankweil wurden von ihren ursprünglichen Niederlassungen in Schlesien beziehungsweise Böhmen nach Vorarlberg verlegt.

Die Historikerin Isabella Greber hat sich in ihrer Diplomarbeit mit diesen Zuwanderern befasst, für den Psychoanalytiker Günther Rösel ist es Teil der eigenen Familiengeschichte. 

Umbruch 1968

Aufzeichnung vom Fr, 22. Februar 2019

 Von einem der auszog, die Welt zu verändern

Die Ereignisse des Jahres 1968, als Bürgerrechtsbewegungen, Studentenunruhen und Sozialproteste in vielen Ländern die Menschen bewegten, gingen auch an Vorarlberg nicht spurlos vorüber – jedenfalls nicht an den Jugendlichen und jungen Menschen, die sich nach einer liberaleren Gesellschaft sehnten. Zu ihnen gehörte der Student Peter Kuthan, der zu Beginn des Jahres noch Priesterseminarist in Innsbruck war und dann die Studentenproteste in Paris miterlebte. Er gilt als einer der Wortführer der eher bescheidenen 1968er-Proteste in Vorarlberg und berichtet, was damals wirklich geschah.

„Alles war mir fremd“

Aufzeichnung vom Fr, 19. Oktober 2018

Aus dem Leben eines „Gastarbeiters“

Ali Gedik war 15 Jahre alt, als er in Begleitung seines Onkels aus dem Südosten der Türkei nach Vorarlberg kam. „Du warst tatsächlich ein Gastarbeiter, so hat man dich gesehen, so hast du dich gefühlt und so wurdest du auch behandelt“, berichtet er über seine ersten Jahre, in denen er in mehreren großen Firmen gearbeitet hat. Später setzte er sich aktiv für die Rechte der Migranten ein, engagierte sich politisch und machte auch auf die Bedrohung der kurdischen Minderheit in der Türkei aufmerksam, der seine Familie angehörte. Nach 17 Jahren verließ Ali Gedik Vorarlberg, um in Wien eine zweite Berufskarriere als Sozialarbeiter zu beginnen. Nun kehrt er zurück, um in freitags um 5 aus dem Leben eines „Gastarbeiters“ zu erzählen.

Erfolgsgeschichte

Aufzeichnung vom Fr, 15. Juni 2018

Vom Hufschmied zum Weltmarktführer

Wie wird aus einer kleinen Schmiede ein weltweit tätiger Konzern mit über 7000 Mitarbeitern? Die Geschichte der Höchster Beschlägefirma Blum ist nicht repräsentativ für die Vorarlberger Wirtschaft, sie enthält aber einige Komponenten, die auch in anderen Unternehmen von Bedeutung waren: einen engagierten Handwerker, der nach neuen Produkten und Märkten sucht, die Nähe zur Schweiz und andere Standortvorteile, das gute Gespür für geeignete Mitarbeiter, die richtigen strategischen Entscheidungen und nicht zuletzt ein paar glückliche Zufälle.

Firmenchef Gerhard E. Blum und der langjährige Geschäftsführer Bertl Widmer erzählen, wie alles begann und wie der Aufstieg zum Weltmarktführer innerhalb von zwei Generationen gelang.

Mythos „Bauernrepublik“

Aufzeichnung vom Fr, 15. Dezember 2017

Die Wirkmächtigkeit von Mythen und Legenden am Beispiel des Bregenzerwaldes

2009 hat der Historiker Mathias Moosbrugger in einer fundierten Studie die bis dahin geltende Erzählung, wonach sich die „freie Bauernrepublik“ im Hinteren Bregenzerwald selbst gebildet und ihre Sitzungen im legendären Rathaus auf der Bezegg durchgeführt habe, gründlich in Frage gestellt. Er wies nach, dass die Habsburger als Landesherren die eigentlichen Architekten der Gerichtsgemeinde im Mittelalter waren und dass die Vorstellung vom hölzernen Rathaus auf Stelzen auf keinerlei Quellen zurückzuführen ist.

Mathias Moosbrugger, inzwischen zweifacher Sub Auspiciis-Doktor (in Geschichte und Theologie), berichtet von seinen Forschungen, den Reaktionen und von der Kraft der Mythen und Legenden, die von wissenschaftlichen Beweisen nur schwer zu mindern ist.