freitags um 5 - Landesgeschichten
im Gespräch

digital

Landesgeschichte im Gespräch: Ergänzend zur Ausstellung „vorarlberg. ein making-of“ haben Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit, kritische Fragen, Thesen und Sichtweisen zur Landesgeschichte einzubringen und sie mit dem Projektleiter Markus Barnay, den KuratorInnen und geladenen Gästen zu diskutieren. Die Ausstellung wird sich auf Basis dieser Gespräche immer wieder verändern - so wie sich der Blick auf die Vergangenheit immer wieder verändert. Die Ergebnisse von freitags um 5 werden dokumentiert, weiter erforscht und zum Teil fließen sie in die Ausstellung ein.


Die Anfänge des Skilaufs in der Bodenseeregion

Aufzeichnung vom Fr, 19. März, 2021

Mit seinem Buch „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ löste der Norweger Fridtjof Nansen einen wahren Ski-Boom aus, der im letzten Jahrzehnt des 19. Jh. die Alpen erfasste. In den folgenden Jahrzehnten sollte der Skilauf zu einem wichtigen ökonomischen, gesellschaftlichen und auch politischen Faktor vieler alpiner Regionen werden. Eines der frühen Zentren des Skilaufs in der Bodenseeregion war das Bödele, einer der Pioniere der Bregenzer Viktor Sohm. Über die Anfänge des Skilaufs in der Bodenseeregion spricht Markus Barnay mit dem Historiker Christof Thöny.

TIPP: Stöbern Sie auf der Seite des Interreg-Projekts zum Thema Wintersport rund um die Gegend des Bodensee's: https://www.wintersportarchiv.org/

Ziemlich beste Freunde

Aufzeichnung vom Fr, 17. März, 2017

Die Rheinregulierung und das Verhältnis zwischen Österreich und der Schweiz

1892 schlossen Österreich und die Schweiz – nach jahrelangen Auseinandersetzungen – einen Staatsvertrag, mit dem die Regulierung des Alpenrheins beschlossen und die gemeinsame Institution der Internationalen Rhein Regulierung (IRR) eingerichtet wurde. 125 Jahre später berichten zwei ehemalige Rheinbauleiter,

Uwe Bergmeister (Österreich) und Leo Kalt (Schweiz), über die Bemühungen zur Zusammenarbeit über die Grenze hinweg. Sie blicken dabei auch zurück auf jene Zeit, in der das gegenseitige Misstrauen noch größer war als das Interesse an einem Zusammenschluss, wie es 1918/19 in der Anschlussbewegung an die Schweiz artikuliert wurde.

„Ich war nicht in Auschwitz“

Aufzeichnung vom Fr, 22. September, 2017

Vom Reden und Schweigen der Roma in Österreich

„Solange die Toten mit mir reden, werde ich immer meine Stimme erheben“, sagt Stefan Horvath, geboren und aufgewachsen in der burgenländischen Roma-Siedlung in Oberwart als Sohn von Eltern, die mehrere Konzentrationslager überlebt hatten. Zum Reden gebracht hat ihn das Bombenattentat, dem 1995 vier Menschen zum Opfer fielen, darunter auch Horvaths Sohn Peter Sarközy. Stefan Horvath, der unter anderem mit dem Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil ausgezeichnet wurde, berichtet über das Schicksal seiner Familie in mehreren Büchern, in der Ausstellung „Romane Thana. Orte der Roma und Sinti” im vorarlberg museum – und persönlich in “freitags um 5”.

Wirtschaftswunder am Küchentisch

Aufzeichnung vom Fr, 13. Oktober 2017

Die Bedeutung der Heimarbeit für Vorarlbergs Industriegeschichte

Wie konnte aus dem relativ armen Land Vorarlberg, aus dem noch Anfang des 20. Jahrhunderts viele Menschen auswandern mussten, das wohlhabende Land von heute werden? Waren es die guten Startbedingungen nach 1945 mit ERP-Krediten, der Wirtschaftsstelle „Vorarlberg-Schweiz“ und anderen Förderungen? Welche Rolle spielten jene, die nicht am Fließband oder an den Textilmaschinen standen, sondern in Heimarbeit Produkte herstellten? Verhalfen sie der Industrie zum Erfolg?

Die Kunsthistorikerin Barbara Grabherr-Schneider und die Historikerin Barbara Motter holen die „unsichtbaren Akteure“ des Wirtschaftswunders in den Vordergrund.

Vom Umgang mit sozialen Randgruppen 16. – 18. Jh.

Aufzeichnung vom Fr, 12. Mai 2017

Seit dem 15. Jahrhundert wurde die Bettelei im gesamten Heiligen Römischen Reich mit immer rigideren Mitteln bekämpft: Zunächst wurden nur arbeitsfähige und ortsfremde Bettler verjagt, später weitete sich die Verfolgung auf das gesamte „höchst-schädliche Jauner-Zigeuner- und anderes Diebs- und Herrenloses Gesind“ aus. Und wenn Mitgliedern einer nicht sesshaften Randgruppe nächtliche Einbrüche oder Viehdiebstahl vorgeworfen wurden, waren die Strafen mitunter äußerst grausam – sie reichten vom Ohrenabschneiden bis zur Vierteilung. Vergleichsweise bescheiden nehmen sich dagegen die behördlichen Maßnahmen aus, die zugunsten in Not geratener Untertanen ergriffen wurden, berichtet der Lustenauer Gemeindearchivar Wolfgang Scheffknecht „freitags um 5“.

Leuchttürme oder Inseln?

Aufzeichnung vom Fr, 6. April 2018

Zum Stellenwert der Vorarlberger Architektur

Die Tourismuswerbung spricht vom „Zentrum zeitgenössischer Architektur in Europa“, wenn von den modernen Bauten in Vorarlberg die Rede ist. Kritiker hingegen verweisen auf die Zersiedelung im Rheintal, auf gehortetes Bauland und auf fehlende Dorfzentren. Übersieht der Blick auf die architektonischen Highlights die Masse des konventionellen Wohnbaus oder können die Leuchttürme Vorbild für andere Bauten sein? Wie steht es mit der baukulturellen Entwicklung in Vorarlberg im Vergleich mit anderen Regionen – etwa mit Graubünden?

Köbi Gantenbein, der in Zürich und Fläsch lebende Herausgeber der Zeitschrift für Architektur, Planung, Design und Landschaft „Hochparterre“ und weitum bekannte Architekturkritiker, wird auf seine bekannt pointierte Art Auskunft geben.

Zur Geschichte der muslimischen Minderheit in Vorarlberg

Aufzeichnung vom Fr, 16. Oktober 2020

Rund 13 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung haben einen muslimischen Hintergrund, über 20 Prozent der Volksschulkinder sind Muslime. Gekommen sind die meisten Menschen islamischen Glaubens als Arbeitszuwanderer, ein Teil auch als Geflüchtete. Doch was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Wie sehr unterscheidet sich der Umgang mit dieser religiösen Minderheit vom Verhältnis früherer Generationen zu damaligen Minderheiten?

Eva Grabherr, Gründungsdirektorin des Jüdischen Museums Hohenems, Leiterin der Integrationsstelle „okay. zusammen leben“ und Herausgeberin einer aktuellen „Moschee-Studie“ gibt kompetent darüber Auskunft.

Kleiner Geist statt großer Wurf? 

Aufzeichnung vom Fr, 18. September 2020

Die Vorarlberger Hochschuldebatte in den 1970er Jahren

Die herrschende konservative Elite Vorarlbergs hat aus ideologischer Verbohrtheit die Chance zur Gründung einer eigenen Universität oder wenigstens einer universitären Einrichtung verpasst! – so lautet eine These über die bildungspolitische Debatte in den 1970er Jahren, die in den letzten Jahren immer wieder verbreitet wurde. Doch stimmt das wirklich oder ist es nur ein von bestimmten Kreisen gepflegter Mythos?

Die Historikerin Ingrid Böhler, Leiterin des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck, ist der Sache auf den Grund gegangen und wird berichten, was damals wirklich diskutiert wurde. 

Machtkampf um den Käse

Aufzeichnung vom Fr, 21. Februar 2020

Die Geschichte von ALMA und Rupp

Keine Veranstaltung der Reihe freitags um 5 – Landesgeschichte im Gespräch war derart gut besucht wie die Ausgabe vom 21. Februar dieses Jahres. Es ging um die Geschichte der Firmen ALMA und Rupp, um den Machtkampf um den Käse.

Moderator Markus Barnay (Kurator der Ausstellung vorarlberg. ein making-of) hat Firmenchef Joe Rupp, den langjährigen Prokuristen Wolfgang Alge und den Historiker des vorarlberg museums Peter Melichar zum Gespräch gebeten.

Vertrieben und vergessen?

Aufzeichnung vom Fr, 17. Jänner 2020

„Volksdeutsche“ Flüchtlinge in Vorarlberg

Die sogenannten „Volksdeutschen“ waren eine verhältnismäßig kleine Zuwanderergruppe, die nach dem Kriegsende 1945 in Vorarlberg Zuflucht gefunden hat. Rund 2.000 Sudetendeutsche, Siebenbürger Sachsen und Donauschwaben wurden zunächst in Flüchtlingslagern, später auch in eigens errichteten Siedlungen untergebracht. Firmen wie Rieger Orgelbau in Schwarzach oder Kunert Strümpfe in Rankweil wurden von ihren ursprünglichen Niederlassungen in Schlesien beziehungsweise Böhmen nach Vorarlberg verlegt.

Die Historikerin Isabella Greber hat sich in ihrer Diplomarbeit mit diesen Zuwanderern befasst, für den Psychoanalytiker Günther Rösel ist es Teil der eigenen Familiengeschichte. 

Umbruch 1968

Aufzeichnung vom Fr, 22. Februar 2019

 Von einem der auszog, die Welt zu verändern

Die Ereignisse des Jahres 1968, als Bürgerrechtsbewegungen, Studentenunruhen und Sozialproteste in vielen Ländern die Menschen bewegten, gingen auch an Vorarlberg nicht spurlos vorüber – jedenfalls nicht an den Jugendlichen und jungen Menschen, die sich nach einer liberaleren Gesellschaft sehnten. Zu ihnen gehörte der Student Peter Kuthan, der zu Beginn des Jahres noch Priesterseminarist in Innsbruck war und dann die Studentenproteste in Paris miterlebte. Er gilt als einer der Wortführer der eher bescheidenen 1968er-Proteste in Vorarlberg und berichtet, was damals wirklich geschah.

„Alles war mir fremd“

Aufzeichnung vom Fr, 19. Oktober 2018

Aus dem Leben eines „Gastarbeiters“

Ali Gedik war 15 Jahre alt, als er in Begleitung seines Onkels aus dem Südosten der Türkei nach Vorarlberg kam. „Du warst tatsächlich ein Gastarbeiter, so hat man dich gesehen, so hast du dich gefühlt und so wurdest du auch behandelt“, berichtet er über seine ersten Jahre, in denen er in mehreren großen Firmen gearbeitet hat. Später setzte er sich aktiv für die Rechte der Migranten ein, engagierte sich politisch und machte auch auf die Bedrohung der kurdischen Minderheit in der Türkei aufmerksam, der seine Familie angehörte. Nach 17 Jahren verließ Ali Gedik Vorarlberg, um in Wien eine zweite Berufskarriere als Sozialarbeiter zu beginnen. Nun kehrt er zurück, um in freitags um 5 aus dem Leben eines „Gastarbeiters“ zu erzählen.

Erfolgsgeschichte

Aufzeichnung vom Fr, 15. Juni 2018

Vom Hufschmied zum Weltmarktführer

Wie wird aus einer kleinen Schmiede ein weltweit tätiger Konzern mit über 7000 Mitarbeitern? Die Geschichte der Höchster Beschlägefirma Blum ist nicht repräsentativ für die Vorarlberger Wirtschaft, sie enthält aber einige Komponenten, die auch in anderen Unternehmen von Bedeutung waren: einen engagierten Handwerker, der nach neuen Produkten und Märkten sucht, die Nähe zur Schweiz und andere Standortvorteile, das gute Gespür für geeignete Mitarbeiter, die richtigen strategischen Entscheidungen und nicht zuletzt ein paar glückliche Zufälle.

Firmenchef Gerhard E. Blum und der langjährige Geschäftsführer Bertl Widmer erzählen, wie alles begann und wie der Aufstieg zum Weltmarktführer innerhalb von zwei Generationen gelang.

Mythos „Bauernrepublik“

Aufzeichnung vom Fr, 15. Dezember 2017

Die Wirkmächtigkeit von Mythen und Legenden am Beispiel des Bregenzerwaldes

2009 hat der Historiker Mathias Moosbrugger in einer fundierten Studie die bis dahin geltende Erzählung, wonach sich die „freie Bauernrepublik“ im Hinteren Bregenzerwald selbst gebildet und ihre Sitzungen im legendären Rathaus auf der Bezegg durchgeführt habe, gründlich in Frage gestellt. Er wies nach, dass die Habsburger als Landesherren die eigentlichen Architekten der Gerichtsgemeinde im Mittelalter waren und dass die Vorstellung vom hölzernen Rathaus auf Stelzen auf keinerlei Quellen zurückzuführen ist.

Mathias Moosbrugger, inzwischen zweifacher Sub Auspiciis-Doktor (in Geschichte und Theologie), berichtet von seinen Forschungen, den Reaktionen und von der Kraft der Mythen und Legenden, die von wissenschaftlichen Beweisen nur schwer zu mindern ist.